Schwere Dürren greifen in Teilen Afrikas immer weiter um sich – ein regionales Symptom einer globalen Klimakrise. Während die Wasserknappheit zunimmt, arbeiten Forschende und Ingenieure an neuen Methoden, um die lebenswichtige Ressource effizienter zu gewinnen, aufzubereiten und zu bewahren. Es sind pragmatische Antworten auf eine der zentralen Umweltfragen unserer Zeit.
David Deegan
16 February 2026
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Im April 2025 berichtete das Gemeinsame Forschungszentrum der Europäischen Kommission, dass weite Teile Nord-, Süd- und Zentralwestafrikas sowie der Norden Madagaskars nach zwei oder mehr aufeinanderfolgenden Jahren mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen und ungewöhnlich hohen Temperaturen weiterhin unter schwerer Dürre leiden. Ein Ende der langanhaltenden Trockenperiode ist nicht in Sicht. Die Folgen sind gravierend: Ökosysteme geraten unter Druck, landwirtschaftliche Erträge brechen ein, Wasserreserven schwinden – und die Ernährungssicherheit in den betroffenen Regionen steht zunehmend auf dem Spiel.
Die Entwicklung fügt sich in ein weltweites Muster ein: Dürren treten infolge des Klimawandels häufiger und intensiver auf. Im Dezember 2024 warnte das Institut für Wasser, Umwelt und Gesundheit der Universität der Vereinten Nationen, die wirtschaftlichen Schäden durch Dürren beliefen sich bereits heute auf mehr als 307 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Bis 2050 könnten demnach drei von vier Menschen weltweit von den Folgen anhaltender Trockenheit betroffen sein.
Angesichts der wachsenden Wasserknappheit entwickeln und erproben Wissenschaftler und Ingenieure neue Verfahren, um Wasser zu gewinnen, zu sparen und wiederzuverwenden.
„Cloud-Milking“ (also „Wolken melken) bezeichnet die Gewinnung von Wasser aus Nebel – vor allem in Regionen, in denen Regen selten ist, feuchte Luft jedoch häufig vorkommt. Das von der Europäischen Union geförderte Projekt „Life Nieblas“ auf den Kanarischen Inseln nutzt dafür feinmaschige Netze, die mikroskopisch kleine Wassertröpfchen aus dem Nebel auffangen. Das gesammelte Wasser wird anschließend zur Bewässerung von Wiederaufforstungsflächen eingesetzt.
Auch in der Industrie zeichnet sich ein Wandel ab. Etwa bei der Wiederverwendung von Abwasser aus der Erdölförderung. In US–Bundesstaaten wie New Mexico fallen bei der Förderung große Mengen sogenannten „Produced Water“ an – Wasser, das gemeinsam mit dem Rohöl aus dem Bohrloch an die Oberfläche gelangt. Dieses Wasser enthält unlösliche Bestandteile sowie Chemikalien aus dem Förderprozess und galt lange als Entsorgungsproblem. Unternehmen wie Aris Water Solutions investieren inzwischen in Aufbereitungstechnologien, die dieses Abwasser so reinigen, dass es in der Landwirtschaft oder in industriellen Prozessen wiederverwendet werden kann. Damit verringert sich nicht nur die Umweltbelastung durch die Entsorgung, es entsteht zugleich eine zusätzliche Wasserquelle für Regionen, die chronisch unter Knappheit leiden.
Ein weiteres Beispiel liefert das „Onsite Water Reuse Program“ der San Francisco Public Utilities Commission. Das Programm fördert dezentrale Anlagen direkt in einzelnen Gebäuden, die sogenanntes Grauwasser aufbereiten und wiederverwenden. Als Grauwasser gilt häusliches Abwasser aus Haushalten oder Bürogebäuden, das nicht aus Toiletten stammt – etwa aus Waschbecken, Duschen, Geschirrspülern oder Waschmaschinen. Das Wasser wird gefiltert und desinfiziert und anschließend für Zwecke genutzt, bei denen keine Trinkwasserqualität erforderlich ist, etwa für die Toilettenspülung oder die Bewässerung von Grünflächen.
Das Unternehmen Epic Cleantec hat in den USA das bislang größte kommerzielle Wasserrecyclingsystem in einem Hochhaus realisiert. Im 61-stöckigen Salesforce Tower in San Francisco werden täglich rund 30.000 Gallonen (rund 113.000 liter) Abwasser aufbereitet und erneut genutzt. Darüber hinaus entwickelt Epic Cleantec Anlagen, die noch einen Schritt weitergehen: Sie verbinden die Wasseraufbereitung mit der Rückgewinnung von Wärme aus dem Abwasser – und steigern so die energetische Effizienz des gesamten Gebäudes.
Auch Kommunen in Zentraltexas – darunter San Antonio, Kerrville und El Paso – setzen auf sogenannte Aquifer Storage and Recovery-Programme (ASR). Dabei wird überschüssiges Wasser in Zeiten hoher Verfügbarkeit in unterirdische Aquifere eingeleitet und dort gespeichert. Genutzt werden geologische Formationen wie die Carrizo-Wilcox- und die Trinity-Aquifere. Sinkt die Verfügbarkeit von Oberflächenwasser, kann das gespeicherte Wasser wieder gefördert werden. Auf diese Weise entsteht ein Puffer gegen saisonale Engpässe und langanhaltende Dürreperioden.
Herkömmliche Entsalzungsverfahren, bei denen Meerwasser verdampft und das Kondensat anschließend als Süßwasser aufgefangen wird, sind meist energieintensiv, teuer und stark von fossilen Brennstoffen abhängig. Zudem entsteht dabei hochkonzentrierte Salzlauge, sogenannte Sole, die Meeresökosysteme belasten kann. Forschende der University of South Australia haben deshalb eine solarbetriebene Entsalzungseinheit entwickelt, die Tonminerale einsetzt, um den Verdunstungsprozess zu beschleunigen – und so die Effizienz des Systems deutlich zu steigern.
Das norwegische Unternehmen Ocean Oasis hat eine schwimmende Entsalzungsanlage entwickelt, die die Energie von Meereswellen nutzt, um Meerwasser in Trinkwasser umzuwandeln. Das System arbeitet vollständig mit erneuerbarer Energie und soll insbesondere Küstengemeinden versorgen. Das US-Unternehmen TETRA Technologies setzt hingegen auf keramische Membranen, um stark salzhaltiges Wasser aus der Öl- und Gasförderung zu entsalzen. Auf diese Weise kann das bislang problematische Prozesswasser in industriellen Anwendungen wiederverwendet werden.
Neue Techniken zur Erschließung zusätzlicher Wasserquellen sind jedoch nur ein Teil der Lösung. Entscheidend ist auch, vorhandenes Wasser effizienter zu nutzen. In Trockengebieten geht ein erheblicher Teil der Bodenfeuchtigkeit durch Verdunstung verloren – meist wird dieser Verlust durch zusätzliche Bewässerung ausgeglichen, was wiederum Süßwasserreserven belastet. Kunststofffolien auf dem Ackerboden können die Verdunstung zwar reduzieren, schaffen jedoch neue ökologische Probleme, da sie nicht biologisch abbaubar sind. Forschende der Cornell University haben deshalb einen sogenannten superhydrophoben Sandmulch entwickelt: Mit einer nanoskaligen Wachsschicht überzogen, bildet der Sand eine Barriere, die die Wasserverdunstung deutlich verringert. Feldversuche zeigen, dass bereits eine fünf Millimeter dicke Schicht die Ernteerträge um bis zu 200 Prozent steigern kann.
Auch intelligente Bewässerungssysteme verändern die Landwirtschaft, indem sie den Wassereinsatz gezielt optimieren. Mithilfe von Sensoren erfassen sie Bodenfeuchte, Wetterdaten und den Zustand der Pflanzen und geben präzise dosierte Wassermengen direkt an die Wurzeln ab. Versuche in Kenia und Äthiopien zeigen, dass sich der Wasserverbrauch auf diese Weise um bis zu 50 Prozent senken lässt – bei gleichzeitig steigenden Erträgen.
Die weltweit zunehmende Häufigkeit und Intensität von Dürren macht entschlossene und dauerhafte Innovationen im Wassermanagement unverzichtbar. Die neuen Verfahren und Technologien können helfen, Wasserknappheit abzumildern – durch eine Kombination aus alternativer Gewinnung, Wiederverwendung und effizienterer Nutzung. Sie sind keine Allheilmittel. Doch sie markieren entscheidende Schritte, um Wasserressourcen zu sichern und die langfristige Stabilität menschlicher Gesellschaften und ökologischer Systeme in einem sich wandelnden Klima zu gewährleisten.






