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In der Schweizer Hauptstadt Bern finden derzeit drei außergewöhnliche Korea-Ausstellungen statt: „Erinnerungen aus Korea. Alltag, Kultur und die Schweizer Friedensförderung“, „Grenzgänge – Nord- und südkoreanische Kunst aus der Sammlung Sigg“ und „Let’s talk about mountains – eine filmische Annäherung an Nordkorea“. Gerhard Thiedemann, ehemaliger deutscher Botschafter in der DVRK, schildert seine Eindrücke von diesen einzigartigen Ausstellungen.


In der Schweizer Hauptstadt Bern, die als UNESCO-Welterbe immer einen Besuch wert ist, gibt es derzeit drei attraktive Ausstellungen. Ich empfehle sie alle für Menschen, die sich für die Politik und Diplomatie der koreanischen Halbinsel sowie für Kunst und Natur interessieren. Normalerweise ist die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea oder DVRK) für die Weltöffentlichkeit nicht zugänglich und nimmt nur wenige Reisende auf. Umso faszinierender ist eine Kombination von Veranstaltungen in der Schweiz, die uns allen ein Theater der Eindrücke seit den 1950er Jahren aus dem traditionellen „Land der Morgenstille“ eröffnet.

Den Anfang macht die Ausstellung „Erinnerungen aus Korea“ in der Bibliothek am Guisanplatz noch bis zum 25. Februar 2022.  Es handelt sich um eine sehr schweizerische Kabinettausstellung, die fast 70 Jahre Engagement für die Aufsichtskommission der neutralen Nationen in Korea umfasst. Erinnern wir uns daran, dass es zu Beginn des Jahres 1953 noch schwierig war, mehr als 100 Schweizer Militärangehörige um die halbe Welt zu bringen, um den Waffenstillstand zwischen Nord- und Südkorea an einer schwer bewachten und der gefährlichsten 250 km langen Grenzlinie auf der Erde während des Kalten Krieges zu überwachen. Fotos, Tagebücher, Briefe und persönliche Erinnerungsstücke, begleitet von Archivmaterial und einigen Kunstwerken, zeigen den Alltag der ausländischen Soldaten und der lokalen Bevölkerung rund um die entmilitarisierte Zone.  Eine kleine Zahl von Schweizerinnen und Schweizern sowie ein schwedisches Kontingent sind dort noch im Einsatz.  Ein langjähriges Engagement dieser neutralen Nationen ist nach wie vor erforderlich, da es noch kein Friedensabkommen gibt, obwohl in Korea seit 1953 kein Krieg mehr herrscht.  Es hat einen gewissen historischen Wert, diese wichtige Mission nicht nur für diejenigen hervorzuheben, die dort ihren Militärdienst geleistet haben, sondern auch für die Bürger von heute, um diesen besonderen Bereich der Friedenssicherung zu beleuchten.

„Grenzgänge – Nord- und südkoreanische Kunst aus der Sammlung Sigg“ ist eine spannende und in gewisser Weise überwältigende Ausstellung im Kunstmuseum Bern bis zum 5. September 2021.

Sie umfasst die nord- und südkoreanische Kunst und zeigt die manchmal seltsamen Unterschiede zwischen dem kulturellen Ausdruck einer freien Gesellschaft und dem eines totalitären Systems. Auch in diesem Bereich könnten die beiden Koreas nicht unterschiedlicher sein.  Der Norden pflegt eine sozialistisch-realistische Kunsttradition, während es im Süden eine lebendige zeitgenössische Kunstszene gibt. In dieser gegensätzlichen Herangehensweise an die Kunst spiegeln sich das Neben- und Miteinander der beiden politischen Systeme und die Lebenswirklichkeit der Bevölkerungen wider. Die Schau beeindruckt nicht nur durch die schiere Größe einiger Exponate, sondern auch durch den Querschnitt durch die Kunstproduktion auf der koreanischen Halbinsel. Sie zeigt eine ganze Reihe von Gemälden und anderen Objekten, die Jahrzehnte des Kunstschaffens von den 1970er bis in die 2010er Jahre abdecken und nun in Bern leicht zugänglich sind. Dankbar ist man dem Sammler Uli Sigg, einem Mann der Wirtschaft und der Diplomatie.  Er lebte viele Jahre in China und nutzte die Gelegenheit, eine beträchtliche Menge an Kunst aus Nordostasien zu erwerben.

In einem speziellen Raum des Kunstmuseums sind zudem nordkoreanische Propagandaplakate aus der Sammlung Zellweger zu sehen, die das Wunschdenken des Kim-Regimes zeigen, wie schön und glücklich das Leben in und um Pjöngjang ist und wie die Außenwelt es sehen soll.

„Let’s talk about mountains – eine filmische Annäherung an Nordkorea“ im Schweizerischen Alpinen Museum bis zum 3. Juli 2022 ist ein vergnüglicher, weil interaktiver Besuch, der den Zuschauer zur aktiven Teilnahme motiviert. Während eines kurzen Tauwetters in den Nord-Süd-Beziehungen (2018/2019) nutzte ein Schweizer Filmteam die Chance, die sonst verborgene Berglandschaft der nördlichen Halbinsel zu erkunden.  Das Team wanderte mit einheimischen Trekkinggruppen auf Gipfel, interviewte Schulklassen, sah Künstlerinnen und Künstlern bei der Arbeit zu, besuchte die Landbevölkerung im hügeligen Ackerland, machte einen Ausflug in Nordkoreas Skigebiet und traf Einheimische in einem Park in Pjöngjang, die einfach ihr Wochenende genossen. Die Bilder dieses wunderschönen Landes geben einen Einblick in den Alltag, und die Aussagen der einfachen Leute gegenüber den Filmemachern sind noch beeindruckender. Die im Film festgehaltenen Mikrogeschichten spiegeln die äußerst bescheidene und vom Regime kontrollierte Existenz der durchschnittlichen Nordkoreaner wider, die nicht zur privilegierten Nomenklatura gehören. Der Film gibt jenen Menschen eine Stimme, die im politischen System der Kims normalerweise nicht als Individuen in Erscheinung treten. Sie sprechen nicht nur über die Berge, sondern wir bekommen auch einige überraschende Bilder zu sehen.


Bildbeschreibung: Nordkoreanischer Künstler Pak Yong Chol, Die Raketen, 1994-2004, Öl auf Leinwand 152 x 272 cm, Sammlung Sigg, Mauensee. Dieses Bild ist ein zentrales Werk der Ausstellung „Grenzübergänge – Nord- und südkoreanische Kunst aus der Sammlung Sigg“ im Kunstmuseum Bern, Schweiz. Es zeigt die ehemaligen nordkoreanischen Führer Kim Il-sung und Kim Jong-il, wie sie in Rauchwolken und Lichtblitzen fröhlich Raketen über sich fliegen sehen. Uli Sigg erwarb das Gemälde während seiner Amtszeit als Schweizer Botschafter in Nordkorea in den 1990er Jahren. © Pak Yong Chol
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