Indiens größter Mischkonzern, die Tata Group, ist nach Recherchen von US-Aktivisten in den Krieg in Gaza verstrickt. Demnach sollen Tata und mehrere Tochterfirmen das israelische Militär sowohl durch die Produktion von Rüstungsgütern als auch durch Investitionen unterstützt haben. Der Konzern steht damit jedoch nur exemplarisch für eine umfassendere militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Indien und Israel.

Reed McIntire
9. Februar 2026
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Laut einer Untersuchung des in New York ansässigen linken südasiatischen Politkollektivs SALAM soll die Tata Group in die Besatzung palästinensischer Gebiete und den Krieg in Gaza verstrickt sein. Das Konglomerat zählt zu den größten Indiens und ist in zahlreichen Branchen aktiv – von der Automobilproduktion bis zur Telekommunikation.

Die Tochterfirma Tata Advanced Systems Ltd (TASL) produziert Luftfahrtkomponenten für F-16-Kampfjets und Apache-Angriffshubschrauber, die in den vergangenen drei Jahren bei Bombardierungen im Gazastreifen eingesetzt wurden. Zudem fertigen Tata Motors und Jaguar Land Rover – ebenfalls Teil des Konzerns – Fahrgestelle für leichte Militärfahrzeuge, die von den im Westjordanland stationierten israelischen Streitkräften genutzt werden.

Weniger sichtbar, aber ebenfalls bedeutend ist die Unterstützung des Konzerns für israelische Geheimdienst- und Regierungsstrukturen. Die Tochter Tata Consultancy Services liefert digitale Infrastruktur für verschiedene Projekte, darunter „Project Nimbus“ – ein Cloud-Programm, das die militärische Überwachung von Palästinensern ermöglicht.

Diese Verbindungen betreffen keineswegs nur einen Randbereich der indischen Wirtschaft. Mit einem geschätzten Umsatz von mehr als 128 Milliarden Dollar ist Tata der größte Mischkonzern des Landes. Seine Tochterunternehmen prägen den Alltag in Indien mit dominierenden Marktanteilen in Telekommunikation, Industrie, Landwirtschaft, Hotellerie und Luftfahrt.

Auch international ist der Konzern stark vertreten – allein in Nordamerika beschäftigt Tata mehr als 50.000 Menschen.

Diese Verbindungen sind Teil einer deutlich umfassenderen strategischen Partnerschaft zwischen Indien und Israel. Indien gilt als größter Einzelabnehmer israelischer Rüstungsgüter und Verteidigungstechnologien – eine Entwicklung, die nach den Terroranschlägen von Mumbai im Jahr 2008 und dem wachsenden Bedarf an „kampferprobter“ israelischer Technik an Fahrt gewann.

Ein Bericht des Center for Financial Accountability kommt zu dem Schluss, dass Konzerne wie Tata maßgeblich dazu beitragen, diese Verbindungen zur israelischen Kriegswirtschaft zu institutionalisieren und auszubauen. Indische Unternehmen investieren demnach regelmäßig in israelische Landwirtschaft, Pharmaindustrie, Tech-Start-ups und Logistik und liefern zugleich entsprechende Materialien.

Ein besonders prägnantes Beispiel sind die laufenden Partnerschaften zwischen Indien und Mekorot, dem israelischen staatlichen Wasserversorger. Indische Firmen halten strategische Anteile an dem Unternehmen, während Mekorot im Gegenzug technisches Know-how für Wasseraufbereitungsanlagen in Indien liefert. Zugleich hat der Konzern infolge der Zerstörung von Infrastruktur im Zuge der israelischen Offensive in Gaza eine nahezu monopolartige Stellung bei der Wasserversorgung erlangt und die Förderung während der Militäroperationen auf 22% reduziert.

Neben Mekorot fließen auch erhebliche indische Investitionen in den Rüstungskonzern Elbit Systems. Das Unternehmen stellt schätzungsweise 80% der Waffen und Ausrüstung sowie 85% der Kampfdrohnen bereit, die von den israelischen Streitkräften im Gazakrieg und in der anhaltenden Besatzung eingesetzt werden.

Auch auf institutioneller Ebene ist die Verflechtung sichtbar: Die State Bank of India (SBI) ist in Israel präsent und stellt indischen Unternehmen dort Akkreditive, Handelsfinanzierungen und Kreditrahmen bereit. Diese Unterstützung verleiht den stetig wachsenden Investitionen in Israels Kriegswirtschaft zusätzliche institutionelle Legitimation.

Obwohl sich die Investitionen in Israel über zahlreiche Branchen erstrecken, stehen viele von ihnen in direktem Zusammenhang mit der Besatzung palästinensischer Gebiete und dem Krieg und Genozid in Gaza. Indische Engagements in der Landwirtschaft unterstützen etwa israelische Siedlungen im Westjordanland und auf den Golanhöhen – beide gelten nach internationalem Recht als illegal. Zudem übernahm der indische Konzern Adani Ports den Hafen von Haifa, einen zentralen Logistikstandort für zivile wie militärische Zwecke.

Übergeordnet betrachtet fungieren indische Investitionen als wichtige Lebensader für die israelische Wirtschaft. Sie sorgen für einen verlässlichen Zufluss von Kapital, das anschließend wieder in zentrale Bereiche der konfliktgeprägten Ökonomie zurückfließt.

Umgekehrt zieht auch Indien wirtschaftliche und strategische Vorteile aus den engen Beziehungen zu Israel. Großkonzerne wie Tata prägen maßgeblich die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und repräsentieren die indische Wirtschaft auf der internationalen Bühne.

Auch das indische Militär greift auf israelische Technologie zurück. Waffen, Überwachungssysteme und Drohnen aus Israel kommen regelmäßig zum Einsatz – insbesondere im umkämpften Kaschmir. Dort stützt sich das Militär auf Erfahrungen aus der Unterstützung israelischer Siedlungen im Westjordanland.

Die Beziehungen zwischen Indien und Israel gehen über materielle Interessen hinaus und umfassen auch eine enge ideologische Zusammenarbeit. Die indische Regierung unter Narendra Modi und der israelische Staat teilen demnach ethno-religiös geprägte Vorstellungen von nationaler Überlegenheit.

Modi und seine Partei vertreten die Ideologie des Hindutva, der zufolge Indien ausschließlich die Heimat der Hindus sein soll und Muslime ausgegrenzt werden. Die Wurzeln reichen bis in die 1920er-Jahre zurück, als V. D. Savarkar sich vom zionistischen Modell eines ethnisch definierten Staates inspirieren ließ. Diese ideologischen Verbindungen wirken bis heute fort und die indische Rechte äußert ihre Unterstützung für Israel zunehmend offen.

Zwar hat Indien historisch mit der diplomatischen Anerkennung eines palästinensischen Staates ein Lippenbekenntnis abgelegt, zugleich setzt das Land trotz wachsender internationaler Kritik seine materielle und politische Unterstützung für Israel fort.

Im September 2025 kam eine UN-Kommission zu dem Schluss, dass es Hinweise auf einen Völkermord in Gaza unter israelischer Verantwortung gebe – und dass damit alle Staaten nach internationalem Recht verpflichtet seien, zu dessen Beendigung beizutragen oder ihn zumindest nicht zu unterstützen. Indien hat sich jedoch, wie viele andere Staaten, geweigert, entsprechend zu handeln, und seine Beziehungen zu Israel stattdessen weiter vertieft.

Angesichts der aktuellen Entwicklungen ist kaum zu erwarten, dass Indien oder seine Konzerne ihre Investitionen und Unterstützung für Israel einstellen. Vielmehr dürfte sich die israelische Kriegswirtschaft weiter ausdehnen – und zugleich die Militarisierung Indiens voranschreiten.

Bild: Börsengang von Tata Capital in Mumbai: Natarajan Chandrasekaran, Vorsitzender von Tata Sons, nimmt am 13. Oktober 2025 an der Listing-Zeremonie von Tata Capital Limited an der National Stock Exchange (NSE) in Mumbai teil. © IMAGO / NurPhoto
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